Den offiziellen Verlautbarungen und der tatsächlichen Widmung zu Folge ist die Waldschlösschenbrücke eine Brücke der Stadt Dresden. Dies impfliziert, dass sie für Verkehre außerhalb dieses Bereich wenig Relevanz besitzt. Mit diesem Artikel soll der Frage nachgegangen werden, ob dem so ist oder ob dies nur die halbe Wahrheit ist.
Zunächst muss dafür untersucht werden, in welchem Bereich sich dieses Bauwerk verkehrlich auswirkt.
Der verkehrliche Wirkungsbereich von Bauwerken ist der Radius aus dem sich Menschen zu diesem hin- bzw. von diesem fortbewegen. Der Radius für innerstädtische Verkehre ergibt sich aus der Zeit, die Menschen maximal bereit sind für ihre täglichen Wege aufzuwenden. Diese beträgt, von Notsituationen abgesehen, ca. 70 Minuten pro Tag. Dieser Wert gilt unabhängig von der Verkehrsmittelwahl, ist seit Jahrtausenden unverändert und gilt mit nur geringen Abweichungen weltweit. Die meisten Menschen unternehmen drei bis vier Wege täglich, um ihr Leben zu bestreiten. Sobald sich Menschen von ihrem Wohnort fortbewegen unternehmen sie mindestens zwei Wege, nämlich den Hin- und den Rückweg. Daraus ergibt sich ein verkehrlicher Wirkungsbereich von ca. 30 Minuten Wegezeit. Je nach Verkehrsmittel sind die Radien sehr unterschiedlich, für den Autoverkehr innerorts ca. 15km, für den Öffentlichen Nahverkehr ca. 10km entlang der Verkehrslinien, für das Fahrrad ca. 8km und für Fußgänger ca. 3km.

In vorstehender Karte sind die verkehrlichen Einzugsbereiche, aufgegliedert nach Verkehrsmitteln, dargestellt.
Die Einzugsbereiche sind die Bereiche, die innerhalb von 30 Minuten von einem Brückenkopf nach Überquerung der Brücke erreichbar sind – und umgedreht. So kann man z.B. mit dem Auto vom südlichen Brückenkopf innerhalb 30 Minuten bis Ottendorf-Okrilla im Norden gelangen oder vom nördlichen Brückenkopf bis in die Mitte von Heidenau. Für die Bereiche außerhalb der farblich markierten ist die Waldschlösschenbrücke ohne Bedeutung, da der Brückekopf auf der jeweils anderen Flussseite über andere Wege schneller zu erreichen ist. So ist z.B. der Weg von Pillnitz oder Weißig zum Universitätsklinikum am südlichen Brückekopf über das Blaue Wunder schneller als über die Waldschlösschenbrücke.
Und nur für die Menschen, die sich vom Einzugsbereich auf der einen Elbseite zum Einzugsbereich auf der anderen Elbseite bewegen wollen, bringt sie tatsächlich einen Vorteil. Wer z.B. von Bühlau (innerhalb des Einzugsbereichs) in die Altstadt möchte (außerhalb des Einzugsbereichs), ist sie ohne Bedeutung und bringt daher keinen Vorteil.
Der verkehrliche Einzugsbereich für den Fußgängerverkehr beschränkt sich um einen kleinen Bereich um die Brücke selbst, bei der Länge von über 600m brauchen zügige Geher allein für ihre Überquerung mindestens sechs Minuten, was 20% der maximalen täglichen Weglänge wie oben beschrieben ausmacht. Für Fahrradfahrer ist dieser Bereich größer. Der Einzugsbereich für den öffentlichen Nahverkehr beschränkt sich im wesentlichen auf die Haltstellenbereiche der Linien, die die Brücke überqueren. Betrachtet man den Autoverkehr, so sieht man, dass ein wesentlicher Teil ihres Einzugsbereiches, vor allem im Norden, außerhalb des Stadtgebietes liegt. Betrachtet man Dresden in den Grenzen vor dem Jahr 2000 dann sogar der wesentliche Teil.