Bitcoin – ein Ersatz für Zentralbankgeld?

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Bitcoin ist in vieler Munde und wird von manchen als Alternative zu den Zentralbankwährungen angesehen. Insbesondere in Krisenzeiten mit Wertschwankungen der Zentralbankwährungen wird er stark nachgefragt. In manchen Staaten ist er offizielles Zahlungsmittel, auch für Steuern. Somit erweckt er den Anschein, sowohl Geld als auch Währung zu sein. Bei manch einem besteht die Hoffnung, dass er die Zentralbankwährungen ablöst. Durch seine Mengenbeschränkung, seine Transferierbarkeit nur über eine Blockchain verspricht er Wertstabilität, Sicherheit und Unabhängigkeit. Trotz der positiven Versprechungen blieb er bisher für den Zahlungsverkehr ein Nischenprodukt. Es stellt sich die Frage, ob er tatsächlich das Potenzial hat, als Alternativwährung, über die niemand Macht ausüben kann, in Umlauf zu kommen und die Zentralbankwährungen abzulösen – also als Graswurzelwährung von unten.1

Zunächst stellt sich die Frage, was Geld und Währungen sind.

Geld entsteht durch Kredit. D.h. eine Person möchte Besitz oder Eigentum erwerben, hat aber nicht ausreichend Mittel dafür. Diese Person fragt bei einem Gläubiger nach Kredit. Von Kleinstkrediten abgesehen verlangt der Gläubiger im Gegenzug eine Sicherheit, z.B. als Anrecht auf die erworbenen Güter.

In einer Volkswirtschaft mit Geld und zweistufigem Banksystem, treten die Geschäftsbanken als wichtigste Gläubiger auf. Als Sicherheit verlangen sie Sicherheiten in Form von Eigentumstiteln, z.B. Grundbucheintragungen. Die Geschäftsbanken widerum beschaffen sich das Geld bei einer Zentralbank in Form eines Kredits, welchen sie wiederum mit Sicherheiten, z.B. Eigentumstiteln, absichern.

Durch diesen Vorgang gelangt das Geld, also die Mittel zum Erwerb von Besitz oder Eigentum zum Schuldner. Dieses Geld unterliegt der Verpflichtung zur Zurückzahlung. Sobald der Kredit zurückgezahlt ist, ist das Geld nicht mehr im Umlauf, und damit nicht mehr existent. Die Sicherheiten werden ausgelöst, d.h. die Eigentumstitel aufgehoben.

Die vollständige Kreditrückzahlung findet nur dann nicht statt, wenn der Schuldner es nicht schafft, genug Geld auf dem Markt zu erwirtschaften. In diesem Falle gehen die Sicherheiten, z.B. Grundstückseigentum, auf den Gläubiger über. Der Gläubiger wird in diesem Falle das Eigentum veräußern, über diesen Weg gelangt das kreditierte Geld in Form eines Verkaufserlöses an den Gläubiger wieder zurück. Damit ist es auch nicht mehr im Umlauf, d.h. nicht mehr existent.

Damit lässt sich zusammenfassend sagen:

Geld ist Kredit.

und: im Umkehrschluss ist alles, was kein Kredit ist, auch kein Geld.23

Währung beschreibt die rechtliche Ordnung des Zahlungswesens.4

Jedes Land hat eine eigene Rechtsordnung des Zahlungs-, Geld- und Kreditwesens.

Währungen können, wie z.B. in den sozialistischen Ländern, ohne Kreditsicherheiten ausgegeben werden. Sie sind in diesem Falle Zahlungsmittel jedoch kein Geld – oder wie es Gunnar Heinsohn benannte: „unspezifische Bezugsscheine“5. Eine Währung kann jedoch, wie z.B. beim Euro, US-Dollar oder Yen, Geld sein.

Bitcoin entsteht durch Mining.

Mining [dt. Schürfen] ist eine Belohnung für das Zur-Verfügung-Stellen von Rechenleistung in Form von Bitcoins. Diese Rechenleistung wird für alle Zahlungsvorgänge, Transaktionen genannt, benötigt. Bitcoins entstehen also als Nebenprodukt von Zahlungsvorgängen, nahezu aus dem nichts.

Bitcoin entsteht nicht durch Kredit, sondern durch Dienstleistung. Daher ist er kein Geld. Solange er keinen Rechtsstatus als gesetzliches Zahlungsmittel hat, ist er auch keine Währung.


Quellen

  1. Ammous, Seifedean: Der Bitcoin Standard – Die dezentrale Alternative zum Zentralbankensystem. Verlag Apricot. 2019 ↩︎
  2. vgl.: Heinsohn, Gunnar und Steiger, Otto: Eigentum, Zins und Geld – Ungelöste Rätsel der Wirtschaftswissenschaft. Metropolis-Verlag 2018. ↩︎
  3. vgl. Heinsohn, Gunnar: Privateigentum, Patriarchat, Geldwirtschaft – Eine sozialtheoratische Rekonstruktion der Antike. suhrkamp. 2016 ↩︎
  4. vgl.: Wikipedia/Währung ↩︎
  5. siehe Fußnote 3 ↩︎